Orla Wolf

Samstag, 16. September 2017

Lost Place II



Ich streiche durch den Wald. Und bewege mich langsam auf die Anhöhe zu. Der Teil bis zum Kamm ist mir vertraut. Das Gebiet dahinter kenne ich nicht. Ich habe es noch nie betreten. Heute beschließe ich, weiterzugehen. Und das Dahinterliegende in Augenschein zu nehmen. Der Wald bleibt sich gleich. Jenseits des Kamms. Er besteht auch hier aus Nadelhölzern. Ich laufe weiter. Dann bemerke ich Kissen. An jedem Stamm liegt eins. Es sind Luftkissen. Ich sehe deutlich ihre Ventile. Durch die man sie aufbläst. Die Kissen sind gelb. Es ist das Gelb der Regenmäntel. Ich folge dem Weg. Und bewege mich jetzt auf ein Tal zu. Ich komme näher. Und sehe dort unten Bauwerke. Es sind Industrieanlagen. Dann stehe ich vor Waschbetonfassaden. Überall verlaufen Rohre. Und Schienen. Unzählige Schornsteine ragen empor. Die Fassaden sind reich verziert. Mit Ornamenten. Und Zeichen. Die ich nicht entziffern kann. An einigen Gebäuden wachsen Ranken. Die die Bauten dicht umschließen. Ich bleibe stehen. Um innezuhalten. Und in meine Umgebung hineinzuhören. Da ist nichts. Kein Laut. Ich gehe auf eines der Gebäude zu. Es ist das größte. Am Platz. Und ich drücke gegen die Tür. Die sich öffnen lässt. Ich schreite einen langen Korridor hinunter. Auf beiden Seiten gehen Zimmer ab. Es sind kleine Räume. Die alle gleich ausgestattet sind. Mit einem Metallbett. Tisch. Stuhl. Und einem Spind. Auf jedem Bett liegt eine Decke. Und ich betrete einen der Räume. Und schalte das Deckenlicht ein. Weil alles im Halbdunkel liegt. Ich betrachte den Spind. Und sehe, dass er mit einem Vorhängeschloss gesichert ist. Das setzt sich fort. In allen Räumen. Und ich gehe weiter. Bis zu dem Raum, der sich am Ende des Korridors befindet. Dieser Raum ist sehr groß. Und die Decke höher (als in den anderen Räumen). In der Mitte stehen Sessel. In einem Kreis. Ich zähle zwölf. An der hinteren Wand befindet sich ein Kamin. Ich trete näher heran. Und spüre, dass er noch warm ist. Ich sehe auf meine Uhr. Und beschließe, zurückzugehen. In meinen Ort. Dorthin, wo ich lebe. Ich werde hierher zurückkehren. Bald schon. Um alles noch genauer in Augenschein zu nehmen. Und so gehe ich zurück. Ich folge dem Weg. Gehe die Anhöhe hinauf. Bis zum Kamm. Und auf der anderen Seite wieder hinunter. Dann bin ich wieder in dem Waldstück, das ich seit jeher kenne. Es beginnt schon zu dämmern, als ich auf meine Ortschaft zugehe. Ich habe die Silhouetten der Häuser vor mir. Ich komme näher. Bewege mich auf die Gebäude zu. Dann sehe ich es: Ich stehe vor der Industrieanlage. Die ich jenseits des Kamms gefunden habe. Ich erkenne die Ornamente. Ich lese die Zeichen. Am Hauptgebäude. Und öffne die Tür. Ich laufe den langen Korridor hinunter. Am vorletzten Zimmer steht mein Name. Ich gehe weiter. Auf den großen Raum zu. Elf Sessel. In denen man schon sitzt. Und ich nehme Platz. In dem zwölften. Der gelb ist.

Freitag, 15. September 2017

Sage II



Es heißt:
Im Planetarium wird man schaumiges Glas trinken.
Man wird eine Bewegung machen.
Auf die Parkanlage zu.
Und im Gehrock den Eukalyptus durchschreiten.
Man wird weiteren Wegen folgen.
Bis ins Schwemmland. Hinein.
Und dort Wasser pflücken.
Man wird weißen Atomen begegnen.
Man wird sie sammeln.
Und zusammensetzen.
Zu einem Mikrofon.
Und dann ein Band besprechen.

Satellit II



I
Ich sehe Turmspringer.
Vor Glasattrappen.
Der Untergrund
ist hier sandig.
Und ihr Atem reicht
bis in das Wurzelwerk
der Dämmerung.

II
Wimperntiere auf
flächigen Fächern.
Ihr Blick geht.
Ins Offene.

Mittwoch, 13. September 2017

Höhlensystem



Das Gebilde besteht aus
vierundzwanzig Szenen.

In seiner Mitte
ein lärmender Traum.

Hier ist man
Kelchen auf der Spur.

Und gelangt in Szene dreizehn
durch einen Tunnel
auf ein geheimes Feld.

Drei Nächte weiter
(es ist Neumond)
ein gefrorenes Video.

Es zeigt eine schwarze Weite.
Mit Schwertlilien.
Darin.

In der Kuppel



Ich fotografiere Schienen.
Und Zweige.
Und lege sie
zu einem Mosaik.

Ich sehe
eine telepathische Ebbe.
Darin.

Die den Monden
Lichter schminkt.